VIA ALPINA

März 2020 – die Planungsphase für die Via Alpina

Schon so lange wünsche ich mir mein ganz besonderes Abenteuer – eine Weitwanderung. Zuerst dachte ich selbst immer “Ach du spinnst, das schaffst du sowieso nie”. Doch irgendwann wurde mir klar, dass mein Kopf erst aufhört daran zu denken, wenn ich auf meine Träume nun endlich Taten folgen lasse. Gut nun ist es also klar: Ich werde eine Weitwanderung machen! Lange dachte ich, dass der Pacific Crest Trail mein Trail werden würde. Doch so ganz konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, in ein Flugzeug zu steigen und dann die Wildnis Amerikas zu erkunden. Nein, wenn schon, dann möchte ich das doch zu Hause in unserer wunderschönen Bergwelt tun – in den Alpen.

Und so startete mit kleineren Weitwanderwegen mein Abenteuer. Wandern gehört schon länger zu meinen Lieblingshobbies. Meine erste Weitwanderung machte ich aber erst im Sommer 2017. Und war für eine! Der Bernina Trek im Engadin. Alle die mich kennen wissen nämlich, dass ich noch immer ständig davon schwärme. Entlang schöner Berghütten ist man ganze sieben Tage unterwegs und meistert 8000 Höhenmeter und rund 140 Kilometer. Da es meine erste Weitwanderung war, hatte ich natürlich zu viel von allem eingepackt. 20kg schwer war mein Rucksack – mit Zelt, Matte, Schlafsack und natürlich dem Gaskocher. Denn mein Ziel war es nicht von Hütte zu Hütte zu wandern, sondern flexibel zu sein und in meinem Zelt zu schlafen. Ich liebe das Übernachten im Freien. Da mir der Bernina Trek so gut gefallen hatte, folgte darauf der Jura Crest Trail und auch der Sardona Trek. Im Herbst 2019 war ich dann auch nochmals länger unterwegs – jedoch nicht in der Schweiz. Knapp drei Wochen wanderte ich in Nepal. Da hatte ich aber mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen. Auch wenn wir “gemütlich” in den Lodges übernachteten, die Höhe, der Hygienemangel und die Kälte waren etwas ganz Neues für mich. Und doch erreichte ich mein Ziel und konnte zum Schluss noch den Gipfel des Island Peak (Imja Tse) auf 6200 Meter über Meer besteigen.

Da der Entschluss für eine Weitwanderung ja schon stand, musste ich alles andere noch in die Wege leiten. Dazu gehörte auch, dass ich meinen Job kündete, um als Skilehrerin zu arbeiten. Denn der Vorteil als Skilehrerin ist, dass man neben der Arbeit viel Zeit für anderes hat. So konnte ich während des Winters planen & organisieren. Die Reise sollte Anfang Mai in Monaco starten – die rote Via Alpina war mein Weg zu Ziel – Trieste.

Damals, auf dem Bernina Trek.

Wie ich mich für die Via Alpina vorbereitete:

Wichtig war für mich, vorher bereits kleinere Weitwanderungen zu machen und so mein Material zu optimieren. Ich habe beispielsweise gemerkt, dass ich auch mit einem kleineren Kocher zurecht komme und dass es nicht die allerbequemste Matte sein muss. Nach langer Recherche habe ich mich dann auch für ein Einerzelt (MSR Hubba NX) entschieden (obwohl da bin ich mir schon wieder unsicher, ob es die richtige Wahl war) und schwöre auf meine (oder allgemein) Wanderstöcke. Beim Inhalt des Rucksackes wurde ich auch immer minimalistischer. Zu Beginn hatte ich sogar noch einen Abdeckstift dabei – ja klar als hätte ich einen Grund mir mitten in den Bergen Pickel abzudecken (haha..). Ganz zu schweigen davon, dass man sowieso ständig schweissverklebt ist (besonders wenn man auch noch Sonnencreme braucht). Mittlerweile kann ich sagen, dass mein Material ganz gut “verhebt”. Es ist nicht alles ultraleicht, denn ich setze nach wie vor etwas mehr auf Komfort. Vielleicht wird sich das dann noch ändern, wenn ich mal länger unterwegs bin. Mein komplettes Rucksackgewicht liegt normalerweise bei 16-18 kg.

Gleichzeitig habe ich in den letzten Jahren wirklich jedes Buch zum Thema “Fernwandern” verschlungen, Blogposts gelesen und fleissig recherchiert. Ich habe mir eine grosse Alpenkarte gekauft, alle Etappen eingezeichnet (bringt nicht viel, aber macht Spass), habe alle Streckenabschnitte in einem Excel notiert, die Schwierigkeiten versucht herauszufinden und die Einkaufsmöglichkeiten markiert. Glücklicherweise kenne ich sogar jemanden, der die Via Alpina bereits gelaufen ist. Das hat natürlich nochmals extrem geholfen. Denn so wurde mir knallhart bewusst, dass die Originalroute in einer Sommersaison echt verdammt hart wird. Es sind 161 Etappen, über 2600 Kilometer und 140’000 Höhenmeter hoch und wieder runter. Das heisst für mich, Abkürzungen müssen von meinem Ego akzeptiert werden. Sonst geht es nämlich nicht. So war es mein Plan im Mai 2020 in Monaco zu starten, dann der italienisch/französischen Grenze entlangzuwandern, die Schweiz und Liechtenstein zu durchqueren, dann weiter nach Deutschland, Österreich und Slowenien bis ich wieder in Italien ankomme – am Meer (Trieste). Das sollte ursprünglich bis Ende September dauern.

Das Coronavirus interessiert meine Planung nicht

Eigentlich wäre ich aktuell (es ist Mitte März 2020) in den letzten Vorbereitungen für den Instruktorenkurs (Weiterbildung für Skilehrer), doch das Coronavirus wollte es anderes. Dafür bleibt mir nun die Zeit, den Blog rechtzeitig auf Vordermann zu bringen. Den Start in Monaco anfangs Mai habe ich mir nach der schweizweiten Schliessung aller Skigebiete komplett abgeschminkt. Nächst möglicher Start wird wahrscheinlich Juni 2020 sein. Der Vorteil – der Schnee könnte geschmolzen sein. Der Nachteil: Ich weiss nicht, ob ich die Route in der verkürzten Saison schaffe. Auch beschäftigt mich, ob die Berghütten diesen Sommer öffnen und ob die Restaurants und Shops in den Tälern normale Öffnungszeiten haben. Denn da ich hauptsächlich in den Bergen laufe, muss ich immer mal wieder einen Stopp im Tal einplanen und mich mit neuem Essen einzudecken oder beispielsweise, um alle zwei Wochen eine neue Gaskartusche für meinen Kocher zu kaufen. Ich bin also auf Läden, Restaurants und Hütten angewiesen. Aber aufgeben werde ich jetzt bestimmt nicht! Wenn ich schon meinen Verstand überwinden konnte bei diesem Projekt mitzumachen, dann bin ich bestimmt auch flexibel genug, um mich dem Coronavirus bestmöglich anzupassen.

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1 Comment

  • Reply
    Margrit Baumann
    21. August 2020 at 15:01

    Liebe Christine, das war ein Glücksfall, dass ich dich bei den Bergbahnen getroffen habe und jetzt in der Hängematte auf meinem Balkon deinen Blog lesen kann. Ich freue mich auf alle Fortsetzungen.

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