Die Nacht in meinem Biwak direkt vor dem Biwakhüttli Ca Bianca war nicht wirklich erholsam. Aber ich habe es nicht anders erwartet. Der Platz war nicht ganz flach und der Mond war on fire (sogar bizli orange)! Leider bemerkte ich dieses Mal, wie mein Schlafsack nun doch nass wurde im Biwaksack. Es war eigentlich nicht weiter schlimm, weil ich innendrin trocken blieb und es warm hatte. Aber es war trotzdem etwas ernüchternd, da ich doch hoffte, nach intensiver Recherche vielleicht doch einen Biwaksack gefunden zu haben, bei welchem dieses Problem ein für alle Mal gelöst wurde. Aber ich hatte es geahnt, dass es einen solchen Biwaksack (noch) nicht gibt (sofern er auch wasserdicht sein soll). Ist ja auch okay, für mich ist das Biwak auf der Via Rätia eine seltene und trotzdem sehr gute Lösung.
Ich wälze mich in dieser Nacht viel hin und her, bis ich die kitschigen Farben des bevorstehenden Sonnenaufgangs erblinzle. Okay, nur nochmals kurz die Augen zu machen, und dann den Sonnenaufgang schauen. So der Plan, Natürlich habe ich den dann doch verschlafen. Ich höre das „Klick“ von Seline‘s Handy und wache nun richtig auf: Guten Morgen! Seline sagt, sie habe im Biwak recht gut geschlafen, auch wenn ihr zu Beginn etwas kalt war. Ich döse noch ein bisschen vor mich hin, bis es 08.00 Uhr ist. Die 1.5 Schlafstunden nach Sonnenaufgang waren sehr effektiv, ich fühle mich nun weniger müde. Wir packen gemütlich zusammen, snacken und haben heute gar keine Eile. Da der Weg den wir heute gehen so nicht wirklich existiert, weiss ich nicht ganz genau, wie lange wir haben werden. Aber über 5 Stunden sollten es ganz sicher nicht sein, dafür ist die Strecke zu kurz und es sind wenige Höhenmeter Auf- und Abstieg. Was ich schon bald realisiere: Der Misoxer Höhenweg (oder Gran Panorama Weg) ist extrem gut markiert. Zu Beginn dieses Tages führt uns die Route auf einem breiten Bergrücken relativ gemächlich in Richtung Norden. Die einzige Schwierigkeit sind manchmal ein paar Steinblöcke. Es ist recht einfach und ich bin froh, denn heute stimmt vieles nicht mit meinem Körper. Mein linkes Knie schmerzt heute in der Kniekehle (das hatte ich noch nie) bei jedem bergauf Schritt. Ich merke, dass wenn ich es nicht anwinkle und eher gerade hinterherziehe, es weniger weh tut. Meinen rechten Fuss hatte ich gestern nur minim überdehnt, das spüre ich heute aber trotzdem. Es sind definitiv mehr Schmerzen als gestern. Und auch etwas Neues: Es gibt mir an diesem Tag schon fast regelmässig einen Zwick von der Achillessehne in die Wade (oder so ungefähr), ganz komisch, dann blockiert der Fuss ganz kurz, es ist unangenehm und trotzdem kann ich recht gut so weiterlaufen und es halbwegs erfolgreich ignorieren. Das ist eine Stärke von mir: Schmerzen aushalten kann ich sehr gut, wenn es sein muss. Aber manchmal jammere ich etwas viel. Das Problem ist aber auch, dass ich mich in meinen Gedanken total stresse, wie viel schlimmer es noch werden wird.
Nach einer Stunde machen wir eine kurze Pause, mir ist recht heiss. Wir trinken etwas aber haben nicht mehr viel Wasser. Bis zur Hütte sollte es aber schon reichen. Gestern hatte ich 3 Liter ins Biwak hochgetragen. Mit 1.5 Liter habe ich mich geduscht, damit ich frisch ins den Schlafsack konnte. Das funktioniert übrigens extrem gut! Der zweite Teil des Weges ist ein kleines bisschen ausgesetzter, aber immer noch sehr einfach. Es macht Spass und ich hätte im Nachhinein gerne mehr Etappen dieser Route gemacht, weil man anscheinend ab Bellinzona starten kann. Aber dass kann ich ja irgendwann in meinem Leben noch machen. Ein neuer Weitwanderweg, der es auf meine „Want to do“ Liste schafft. Der Abstieg ist vor dem Passo Baldiscio und sehr steil und steinig. Wir sehen schon die Hütte und diese sieht total neu aus und liegt direkt am See! Zu Beginn des Abstieges geht es sehr gut, aber umso länger es dauert, desto mehr habe ich Mühe. Mein Fuss findet diesen anspruchsvollen Weg nicht toll.. Seline geht voraus und hat keine Probleme mit dem steilen Gelände. Aber ich kann meinen Fuss nicht schräg belasten und daher bremse ich das Abstiegstempo heute sehr aus, aber es geht nicht schneller und es ist auch egal, weil wir die Zeit haben. Endlich unten angekommen – grosse Erleichterung bei mir – gehen wir im oberen See baden. Die Abkühlung tut, wie immer, sehr gut! Dann wandern wir zum Rifugio Baldiscio, checken ein, beziehen das Zimmer und bestellen ein Getränk und ich zusätzlich eine Torta di Pane und gehen an den See vor der Hütte. Mit Blick auf unsere von unten unmöglich erscheinende Abstiegsroute verbringen wir den Nachmittag im Badi-Feeling am See und lesen beide unsere Bücher. Wie gut das tut, nach diesem Tag!
Um 19.00 Uhr bekommen wir Znacht. Zur Vorspeise Gnocchetti di Chiavenna. Sooo mega fein, aber nach diesem Teller sind wir schon voll und trotzdem kommt noch der Hauptgang mit einem Berg von Polenta und Käse. Kaum sind wir fertig, räumen wir den Tisch. Denn eine grosse E-Bike Crew ist gerade für den Znacht angekommen. Es fängt an zu gewittern und wir gehen ein bisschen lesen, bis wir später noch einen Dessert essen. Die E-Bike Gruppe macht sich bei Regen auch wieder auf den Rückweg und es wird ruhiger. Bis um 02.00 Uhr in der Nacht höre ich noch das Scheppern aus der Küche beim grossen Abwasch, aber bin dann doch zu faul, die Ohrenstöpsel zu holen.















Eigentlich wäre das Zmorga auf 07.30 Uhr angesetzt gewesen. Aber ausser uns ist um diese Zeit noch niemand wach in der Hütte. Seline und ich sind schon starklar, als dann um 08.00 Uhr das Hüttenwartspaar aufsteht und sich entschuldigt. Sie hatten gestern noch so lange arbeiten müssen. Wir essen das italienische Frühstück (Zwieback oder Biscotti und so, not my favorite) und bezahlen. Allgemein hat mir der Aufenthalt hier sehr gefallen. Mit dem Pferden und dem See, sehr idyllisch. Auch Margerita und Luca, die Hüttenwarte, waren unglaublich herzlich. Aber man merkt, dass alles noch etwas neu ist, denn die Hütte hat im Sommer 2026 ihre erste Saison, vorher war hier nur ein Biwak. Auch sind noch nicht viele Übernachtungsgäste da, somit wäre das ein Tipp an Leser:innen. Von Pian San Giacomo über den Pass ist es ein normaler Wanderweg mit etwa 1000 Höhenmetern.
Heute sind wir in Eile. Also marschieren wir nach dem späteren Frühstück zackig los. Denn Seline‘s Eltern werden sie um 13.00 Uhr auf dem Splügenpass abholen. Eigentlich hatte ich geplant um 2-3 dort zu sein (mit Pausen eingerechnet) und nun haben wir schon etwas Zeit beim verspäteten Frühstück verloren. Der Weg ist ungewöhnlich: Er ist in einem super Zustand, scheint frisch verbessert worden zu sein, aber es hat ultra viele Spitzkehren und wir kommen kaum bergab, der Winkel der Kehren ist extrem flach. Manchmal geht es sogar grundlos leicht hoch. Trotzdem sollte man zum Schutz von Flora und Fauna ja keine Wanderwege abkürzen. Daher bleiben wir brav auf dem Weg, der nachher zu einer Fahrstrasse wird. Gestern hatte ich an mehreren Orten Schmerzen, daher kommt mir eine Bergstrasse heute gerade recht. Den Fuss entlastet es und meinen Kopf auch. Ich liebe die blau/weissen Abschnitte der Via Rätia, aber Abwechslung tut mir und dem Körper gut, so kann ich mich dazwischen wieder etwas erholen. Wir machen eine kurze Trinkpause und kommen dann zu eine kleinen Alp, wo wir den Wanderweg verpassen. In Italien ist alles ein bisschen anders, manchmal super markiert, dann wieder gar nicht. Dann ist der Weg perfekt gemacht, dann verliert er sich auf einmal. Ein einziger Wanderwegabschnitt, kann das alles in kurzer Zeit sein. Viel Abwechslung, aber manchmal etwas mühsam. So würde ich den Weg von der Alp bis zum Stausee bei Montespluga auch beschreiben. Doch der Weg wäre eigentlich extrem schön, ein aussichtsreicher Höhenweg. Aber es ist wieder so krass heiss (finde ich, Seline findet nicht) und das Grass ist zu Heu geworden. Wir sprechen darüber, dass die Waldbrandgefahr aktuell wirklich sichtbar gefährlich ist. Genau an diesem Abend sehe ich auf Insta ein Video, wie es (vermutlich durch den Blitz) auch bei Tamins (bei Flims) im Wald zwischenzeitlich gebrannt hat. Waldbrand, ein ganz neues Thema, wo man immer dachte, ja bei uns passiert das nicht. Aber wenn ich so wandere merke ich schon, dass das nicht mehr normal ist. Viele Bächli fliessen nicht mehr, Quellen die bereits versiegt sind. Hütten haben bereits jetzt zu wenig Wasser und immer diese schonungslose Hitze. Oder die extremen Gewitter. Es besorgt mich und es macht meine Route um den Kanton Graubünden auch gefährlicher.
Wir merken schon bald, dass wir es nicht auf 13.00 Uhr schaffen werden, eher 13.30 Uhr. Und sogar das schaffen wir nicht, es wird kurz vor 14.00 Uhr bis wir Montespluga erreichen. Beim Weg entlang des Stausees sehen wir (wahrscheinlich) viele Via Spluga Wanderer:innen. Ansonsten waren wir den ganzen Tag alleine unterwegs, wie die Tage zuvor auch. Durch den Schlussspurt komme ich ein bisschen an meine Grenzen. Kaum Pause, am Schluss ein bisschen Blockfelsen im Weg, Schmerzen in den Füssen und völlige Überhitzung des Körpers. Seline‘s Eltern warten schon und übergeben mir einen Ladekabel-Stecker. Meine Mama hat den vorbei gebracht, denn dummerweise habe ich meinen nachdem ich alles bei der Pause zuhause ausgepackt und wieder eingepackt hatte, einfach vergessen. Es geht alles ziemlich schnell und schon sind die drei wieder weg. Sie müssen noch weiter und da es Freitag und bald erster August ist, ist überall viel los. Ich weiss kurz nicht was mit mir anfangen. Am liebsten würde ich mein Körper resetten (baden/abkühlen), aber dazu gibts grad keine Möglichkeit. Also gehe ich etwas Trinken und Gnocchetti essen. Doch schon bald beginnt es zu winden und leichter Regen kommt. Im Himmel klar ersichtlich: Da kommt wahrscheinlich noch ganz viel mehr. Da in Montespluga eh alles ausgebucht ist (hab gefragt) bleibt mir nichts anderes übrig als weiter zu wandern. Der Regen setzt etwas mehr ein und ich sehe ein Agriturismo, erreiche aber niemanden. Kein Unterkunftsplatz-Glück. Ich gehe in Birkenstock und Pellerine der Strasse entlang (nicht gut!) und es beginnt so richtig runter zu leeren. Blitz, Donner, Wind und viel Regen. Kurz renne ich, dann denke ich „Nein, don‘t do it, in Birkis rennen“ erstens bin ich noch nicht renn-ready und zweitens in Birkenstock kommt es bestimmt nicht gut. Ausnahmsweise mit Musik im Ohr geht es so schnell ich kann zum Rifugio Stuetta hinter dem Stausee. Tropfend mit der Regenpellerine komme ich dort an und glücklicherweise hat es noch einen Schlafplatz für mich und eine Dusche gibt es auch. Yes, nochmals alles gut aufgegangen. Sonst wäre ich nach Madesimo gewandert, aber das wäre über eine erhöhte Kante gewesen und das würde ich bei Gewitter wegen den Blitzen nicht machen wollen. Ich chille es nach der Dusche im Bett und scrolle zu viel auf Insta und lade noch den neusten Blogpost hoch. Es ist schon crazy, wie viel Zeit ich immer dafür benötige. Nach einem Salat zum Znacht telefoniere ich noch ein bisschen und gehe zu spät ins Bett.










Als ich aufwache lese ich die Antwort vom Rifugio Chiavenna. Ausgebucht. Naja, logisch an einem Samstag. Das stresst mich, weil es wieder gewitterig ist und es so perfekt in die Route passt, die ich mal wieder spontan angepasst habe, weil ich eine spannendere Option auf der Karte entdeckt habe. Deshalb komme ich heute nicht in die Gänge und habe eine kleine Motivationskrise. So starte ich an diesem Tag erst nach 09.00 Uhr, ziemlich selbstzerstörrerisch so rumzutrödeln wenn am frühen Nachmittag ein Gewitter angesagt ist. Der erste Abschnitt bis nach Madesimo, ein italienisches Dorf mit grösserem Skigebiet, geht locker und ich esse unten angekommen mein Rüablikuchenstück, das mir zur Frühstück aufgetischt wurde. Das Kuchen essen zum Frühstück verstehe ich nicht so. Nach Madesimo geht es bergauf zum Lago Azurro, wo ich bei der Ankunft merke, dass der ganze See ausgetrocknet ist. Krass! Nach einer Lemon Soda Stärkung geht es nun doch in Richtung Rifugio Chiavenna. Ich werde einfach vorzu schauen und mir nich so viel Stress machen. Ich habe ja eine top Biwakausrüstung, es wird schon irgendwie aufgehen. Der Weg dorthin ist erneut ein schöner Höhenweg, ähnlich wie die Wege im Calancatal. I like. Am See und beim Rifugio angekommen hat es recht viele Leute aber niemand badet. Also frage ich jemanden, ob es verboten ist. Nein das nicht, aber es habe gefährliche Strömungen. Hm komisch, also lasse ich es erst mal mit baden doch entscheide mich später um, und gehe am Rand, wo ich gut stehen kann ganz ins Wasser. Nun bin ich abgekühlt und geduscht. Für die Nacht habe ich mehrere Ideen, aber erstmal lese ich am See ein bisschen in meinem Buch und schlafe ein. Was für ein schönes Gefühl sich dem hingeben zu können, in dieser Kulisse. Als es zuzieht frage ich bei der Hütte um einen Schlafplatz und tatsächlich, es hat Platz für mich. Ich schreibe ein bisschen am Blogpost und höre wie es anfängt richtig heftig zu regnen. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich wie Leute vom See zum Rifugio rennen. Okay, so viel Regen hatte ich heute nicht erwartet! Es schüttet wirklich wie aus Kübeln. Zum Glück habe ich mich nicht doch fürs Biwakieren entschieden und fand in der Hütte einen Platz. Ich denke an die Menschen, die vor einer halben Stunde noch ahnungslos den Rückweg angetreten haben. Es ist, wie der Hüttenwart sagte, wirklich bruttisimo! Die Italienischen WC‘s würde ich auch mit diesem Wort beschreiben. Irgendwie hygienischer, ja verstehe ich. Aber am Boden auf dem WC sind jedoch überall Spritzer. Igitt, meine Birki-Sohlen (weil man ja leider irgendwie auf die Spritzer tritt) und der gesamte Hüttenboden wird so verseucht. Kleine Vorblende: am nächsten Morgen fällt mir mein sauberes Schlafshirt auf den Boden und ich stehe aus Versehen auch noch drauf! 🙁
Beim Abendessen sitzen zwei Schweizer neben mir, Corinne und Matthias aus dem Domleschg. Sie wandern morgen eine T4 Route über den Pizzo Stella, mit dem ich auch liebäugle. Das Paar neben mir klinkt sich ein, sie sind aus Deutschland und haben den Pizzo Stella heute gemacht und sogar im Biwak geschlafen, in welchem ich evtl. gedenke zu übernachten. Nachdem ich alle wichtigen Infos zur Route erhalten habe, plane ich mir diese Tour für morgen ein. Meinem Fuss geht es offensichtlich besser, sonst würde ich gar nicht daran denken. Ich gehe schlafen, doch in Italien ist vor 23.00 Uhr nicht an Hüttenruhe zu denken. Auch komisch: sie lassen immer die Schlafzimmertüre offen und dann ist es super laut, weil man alles hört, was im Gang passiert. Zweimal stehe ich auf und schliesse sie, aber irgendwann ist sie wieder halb offen.









Die Familie neben mir mit den Kindern, eines ist etwa 2, hatte eine recht gute Nacht und ich deshalb auch. Das Mädchen hat zwar ein paar Mal geweint, aber sich jedesmal wieder schnell beruhigt. Damit ich niemanden wecke, hatte ich mein Rucksack schon gepackt und draussen im Gang bereit gestellt. So muss ich nur noch betten, und das ist ja sehr geräuscharm möglich. Das Frühstück ist erneut kein Highlight und daher bin ich auch um 07.00 Uhr schon unterwegs. Das Schweizer Paar ist schon früher los, die müssen noch nach Hause. Ich nur ins Biwak oder zur Alpe Lago Dentro. Der Aufstieg geht heute sehr gut! Doch ich sehe erste Wolken, die mir verdächtig vorkommen. Der Weg wird nach etwa 2h schwieriger und mir kommt eine Familie mit etwa 7 Personen entgegen. Ein Kind ist etwa 8 Jahre alt und ich bin ziemlich beindruckt, dass die hier unterwegs sind. Frage mich aber auch, was sie vorhatten und woher sie kommen. Daher spreche ich sie an. Ein Mann erklärt mir, dass sie nicht ganz zum Gipfel des Pizzo Stella sind (was die wollten mit den Kindern zum Gipfel, krass!!) weil es um 13.00 Uhr Brutissimo wird (wieder dieses Wort). Sie fragen daher was ich vorhabe und ich sage ich plane zum Biwak zu gehen, welches der Mann kennt und mir anerkennend zunickt, weil ich alleine unterwegs bin. Das ist so lustig, in Italien ist das der Standard. Immer geben sie mir ein paar Worte mit auf den Weg, dass das ja mutig sei alleine. Einerseits lobend gemeint, aber ein bisschen vielleicht auch a la „pass aber gut auf alleine“. Das ist verständlich. Allein wandern ist für viele ja ein No Go. Auf solchen Wegen wie bei der Via Rätia kann ich das grad noch mehr nachvollziehen. Weil nachher passiert Folgendes: nach den Gespräch checke ich das Wetter (ich habe endlich wieder Netz) und sehe, dass es um 12.00 Uhr sogar stärker regnen und evtl. gewittern soll, als gestern! What! Jetzt habe ich ein Problem. Gestern zeigte es mir für heute gar kein Regen an! Ich bekomme Stress, denn gemäss meinem Plan bin ich ca. Um 13.00 Uhr beim Biwak und bin bis kurz davor immer auf dem Grat unterwegs. Ab da gebe ich Gas und da der Weg nicht bubieinfach ist, ist das eine Herausforderung. Auch die Wegfindung ist „not easy at all“. Ich steige immer weiter auf und das Wetter zieht immer mehr zu. Ich bin im dicken Nebel und es sträubt sich vieles in mir, weiter in die Höhe zu kraxeln, um völlig exponiert zu sein, wenn nachher ein Gewitter kommt. Eigentlich soll das ja erst in 3 Stunden sein. Aber ich kann die Sorgen nicht einfach abstellen. Der Weg zum Biwak ist wohl kürzer (als zurück zum Rifugio Chiavenna), aber nicht unbedingt einfacher. Nicht damit gerechnet habe ich, dass mir einige junge Menschen auf einer doch anspruchsvollen T4 Strecke in Turnschuhen entgegen kommen. Immerhin sind sie im Abstieg. Kurz vor dem Gipfel biege ich ab auf den anderen Grat und für den Abstieg. Zum Gipfel des Pizzo Stella wären es noch 5 Minuten, aber der ist mir herzlich egal, lieber will ich den Weg sicher schaffen, möglichst vor dem Gewitter. So versuche ich überall Zeit einzusparen, wo es nur möglich ist. Der erste Abschnitt des Abstieges ist gut machbar, aber es ist ultra dichter Nebel. Ich verliere teilweise den Weg (jetzt aber immerhin (unregelmässig) markiert, vorher waren en nur Steintürmli). Aber ein Blick auf Komoot verrät mir, wie ich jeweils zurück zur Route komme. Dann komme ich auf einen flacheren Abschnitt der nun zur Spalla führt. Dieser ist schwieriger. Zwei Mal schlucke ich leer und ganz ehrlich, bei diesen Verhältnissen ist alles so einschüchternd, weil ich das Gefühl habe, der Himmel könnte sich jederzeit über mich ergiessen, dass ich mir so viel Anspannung wandere. Es ist auch sehr dunkel. Ich spüre zwei Mal an diesem Tag Angst. Als ich merke, dass ich Angst habe, ist mir gar nicht mehr wohl. Das gibt es nicht so oft, aber die zwei heikleren Passagen hätte es von mir aus heute nicht geben müssen. Eines ist ein sehr steiler Abstieg – wtf, was wirklich hier runter? Und einmal ein schmaler Grat mit einer luftigen (also exponierten) gaaanz kurzen Passage. Auch nicht cool. Bei super Wetter, eher kein Problem für mich. Doch es geht besser, als es ausgesehen hat. Ich schaffe es zur Spalla und weiss von der deutschen Frau, dass dies nun der schwierigste Teil sei. Schon mehrfach hat es leicht getröpfelt und genau als ich den Abstieg beginne, beginnt der Regen. Oh Gott. Ich hoffe so sehr, dass es jetzt nicht wirklich losgeht. Und tatsächlich habe ich Glück. Es bleibt bei leichtem Regen und ich steige konzentriert ab, es sind nur noch 200 bis 300 Höhenmeter. Der Abstieg ist dann aber doch weniger schwer, als ich es erwartet hatte. Als ich das Wander-App (Komoot im Ausland) checke, was ich grad selten mache aus Zeitstress, merke ich, dass ich schon weiter bin als gedacht. Kurz vor 2700 Meter über Meer! Erleichterung macht sich breit und ich sage mir: „So jetzt nochmals ganz gut konzentrieren, wir schaffen das!“ Wir ist jeweils mein Körper und mein Geist, ich bin eine Selbstgesprächlerin und sehe mich oft als ein Team.
Als ich auf einmal die gelbe Biwakschachtel sehe, ich hatte sie später erwartet, entfährt mit ein Erleichterungsschrei. Omg, I made it! Jetzt kann nichts mehr passieren. Ich merke sogar, wie meine Augen sich mit ein bisschen Tränenwasser füllen. What a relieve! Bua, das war grad wieder sooo ein Stress! So mühsam, dass es gutes Wetter meldet und dann kommen am Mittag immer diese üblen Sommergewitter rein, die mich so einschüchtern. Auch nicht geholfen hat, dass ich grad wieder so oft kein Netz hatte. Aber jetzt ist es ja fürs Erste geschafft.
Beim Biwak treffe ich auf zwei Italiener, die grad losziehen und zwei Inder, die im Biwak sitzen. Mein Ziel habe ich erreicht, ich will auch nicht mehr weiter. Es regnet noch immer und die Inder sind auch etwas aufgeschmissen mit der aktuellen Situation, weil sie heute noch nach Milano müssen – zurück zur Arbeit. Ich sage, dass mein App sagt, es komme jetzt bald sehr stark regnen und zeige die letzten geladenen Infos auf dem Meteoapp und gemeinsam planen wir ihren Abstieg. Ich hätte eine einfachere und direktere Route gewählt, aber sie wollen nicht den gleichen Weg zurück. Einer der beiden Inder ist Biwak Fan und redet ganz viel. Er zeigt mir auf Google wie er alle Biwaks in den Alpen markiert hat und fragt, ob er mir die Liste schicken soll. Ich bin gedanklich noch dabei, wieder aus dem Stress-Modus zu kommen und obwohl es nicht grad schönes Wetter ist, packe ich kurz meine Sachen zusammen und gehe zum See direkt beim Biwak (stellt sich heraus, ist der wenig schönste und wohl etwas grusig so nah beim Biwak, sehe auch eine Pastanudel darin). Ich kühle mich kurz ab, wasche mich, ziehe meine frische Kleidung an, und schon geht es mir Welten besser. Dann trinke ich zum ersten Mal etwas, weil ich gar keine Pause gemacht habe. Die Inder fragen woher ich kam und wann ich gestartet sei und einer der beiden gibt mir nach meiner Info anerkennend die Hand dafür. Die Tour dauere eigentlich 7h sagen sie mir. Ich habe 4.5h gebraucht. Ehrlich gesagt glaube ich sind 7h etwas zu viel, aber egal. Sie sind lustig. Der ruhigere Inder ist erst das vierte Mal auf einer Wanderung. Sie sind aus Neu Delhi und Mumbai, wohnen aber in Milan. Der Ruhigere hat nicht mal eine Regenjacke und wandert in ziemlich schlechten Turnschuhen. Das Biwak ist schon an einem recht alpinen Ort, daher crazy, dass sie überhaupt bis hier hin kamen. Kommentieren muss man das ja sonst nicht, ist ja klar, dass das alles nicht so ideal ist. Sie sagen auch, dass die Zeitangaben der Wanderwegweiser absoluter Scam sei. Sie hätte bis hierhin viel länger gebraucht. Jedenfalls sagte das Meteo App für Morgen schönes Wetter an und ich hoffe wirklich verdammt fest, dass es mich dieses Mal nicht verarscht. Denn ich schenke einem Inder, der nur einen Pulli hat, meinen Regenponcho. Er wird den mehr brauchen als ich. Hoffe ich jedenfalls und gleichzeitig hoffe ich auch, dass die Wettervorhersage sich irrt. Mit den beiden möchte ich grad auch nicht tauschen. Ungefähr eine Stunde später ziehen sie los und ich bin wieder alleine.
Ich richte meinen Schlafplatz ein und es sieht hier drinnen ganz okay aus, vor allem in Punkto Sauberkeit. Ich entscheide mich für einen Mittagsschlaf, denn so wärme ich mich glücklicherweise wieder auf. Als ich aufwache sehe ich kleine Flecken eines blauen Himmels? Eigentlich müsste es jetzt doch richtig runterleeren? Komisch, aber gut für die Inder. Jedoch zweifle ich deshalb schon wieder, ob ich doch weiterwandern soll. Bis Soglio sind es 5h, ich könnte somit sogar bis ins Tal schaffen. Aber ich müsste nochmals aufsteigen und der Weg ist zu Beginn nochmals exponierter (wegen Blitzen), weshalb ich dem Wetter etwas vertrauen müsste, was ich nicht tue. Daher bleibe ich hier, aber nicht ohne Zweifel und den Sorgen, ob es dann Morgen vielleicht voll runter leert, wenn es heute nicht so wirklich gekommen ist. Als ich meine Sprachnachricht draussen aufnehme und mir selbst schildere, dass grad nicht richtig abschalten kann und unsicher bin, ob ich doch weiter soll, sehe ich einen Steinbock. Wie er in grösster Seelenruhe am Berg steht ist für mich ein Zeichen. Nimms easy und chills jetzt einfach.
Später regnet es nochmals, aber eher leicht. Am Abend gehe ich raus, lese ein bisschen an einem extrem schönen See. Seen wie dieser gefallen wir sehr gut, rundherum nur grosse Steine. Auch schaue ich, ob ich irgendwo Netz habe, aber nein, ich bin nicht erfolgreich auf meiner Suche. Die leere Zeit im Biwak fülle ich mit Blogpost schreiben und irgendwie freue ich mich ein bisschen einfach mal vor mich hinzustarren und Langeweile zu haben. Das habe ich sonst so gut wie nie.











Am nächsten Morgen stehe ich um 06.00 Uhr auf und bin ein bisschen nervös beim Öffnen der Biwaktüre und dem heutigen Himmelcheck. Aber es sieht gut aus, ich denke heute sollte es Stand jetzt halten und ich breche ohne Frühstück auf, um zuerst zum See Lago di Dentro abzusteigen und dann zum Passo del Turbine aufzusteigen. Schon beim Abstieg habe ich nicht so grosse Lust, beim Aufstieg wird es dann noch viel schlimmer. Heute ist es einfach zäh: die Durchbeisserin in mir pusht mich weiter, doch jeder Schritt bettelt mich mein inneres Ich an: Komm, wir machen eine Pause, bitte!? Ich muss mein Motivationstrick anwenden und mich auf grosse Steinbrocken fokussieren und sagen, noch bis zu diesem Stein, dann schauen wir weiter. So geht es gut voran. Später hat es endlich wieder Wandermarkierungen, dann fällt es mir mit dem „bis dorthin noch“ motivieren etwas einfacher. Aber 200hm vor dem Pass, gibt es trotzdem eine ausserordentliche Pause. Manchmal muss man auch akzeptieren, wenn der Körper grad eine Stärkung oder in meinem Fall, etwas Wasser braucht. Es ist interessant, ich glaube ich brauche mehr Wasser als beispielsweise vor sechs Jahren auf der Via Alpina.
Kurz vor dem Passo de Turbine sehe ich zwei Männer, spreche kurz ihnen und bin dann gefordert, weil ich den oberen Weg unter dem Piz Gallagiun finden möchte. Dieser ist nur noch bruchstückmässig eingezeichnet. Das bedeutet es ist wohl ein alter Weg. Zu dem ist es sehr steil in diesem Gelände und könnte anspruchsvoll werden. Ich erwische den Einstieg und komme zu Beginn gut voran. Der Weg ist aber alt und wird nicht viel begangen, der Grund ist wohl wegen Bergsturzgefahr. Es gibt ein Bergsturzfeld zu queren und mehrmals ist kaum ein Weg ersichtlich und einmal ist ein Wegbereich abgerutscht. Ich bin nervös und es ist schon etwas heikel, aber ich komme endlich zur anderen Geländekante und bin froh, es geschafft zu haben. Jetzt folgt ein wegloser Abschnitt bis ich über die Schweizer Grenze wandere und ein alter aber tip top markierter Weg mich zu den ersten Alphütten auf Läira bringt. Jetzt gibt es noch einen Schlussspurt bis nach Soglio, kurz krisele ich wieder, wie so oft im Endbereich von Abstiegen. Weil ich Netz habe, komme ich stark in Versuchung ein bisschen am Handy Zeugs anzuschauen (auf Insta zu sein) oder bei Whatsapp zu antworten. Dann höre ich Stimmen hinter mir, was mich extrem motiviert, weil ich gaaar keine Lust habe, kurz vor Ziel noch überholt zu werden. Ausserdem reden sie so laut, dass ich sogar für meine Verhältnisse ultra schnell absteige um Distanz zu erarbeiten, damit ich wieder meine Ruhe habe.
In Soglio angekommen checke ich im Hotel Soglina ein, es hatte glücklicherweise noch Platz und der Hotelbesitzer und seine Mutter sind extrem freundlich. Ich darf auch wieder meine Kleidung zum Waschen abgeben. Nach der Dusche, auf welche ich mich so sehr gefreut habe, gibt es einen grossen Salat und dann gehe ich ein bisschen das wunderschöne Soglio anschauen. Es ist eines der schönsten Dörfer, dass ich je gesehen habe. Deshalb wollte ich unbedingt hier einen Pausentag machen und ich habe so sehr darauf gefreut. Ich liebe auch die Soglio Produkte und kaufe ganz viel Duschgel, auch wenn die etwas teurer sind. Jetzt denkt man sich vielleicht, dass ist doch nicht so clever, viel Duschgel zu kaufen, wenn man weitwandert. Aber ich bekomme bald Besuch und kann die Duschgels nach Hause mitgeben und im Auto deponieren. Beim Abendessen im Soglina werde ich von einem Fotografen angesprochen, den ich mal bei einem Projekt kennengelernt habe. Später komme ich mit einem (oder gemäss Medienberichten „DEM“) schweizer Naturschützer ins Gespräch. Er ist aus kulturellen Gründen für die Organisation eines Anlasses hier, wo es um den vor 100 Jahren verstorbenen Dichter Rainer Maria Rilke geht. Sagt mir natürlich nichts, weil ich im Bereich Kultur eher hinter dem Mond lebe. Nach dem Znacht bleibe ich wieder viel zu lange wach, bis fast 01.00 Uhr, was oft an Pausentagen vorkommt, da ich hemmungslos am Handy sein kann. Ich schaue sogar noch ein bisschen die 3 Staffel Kaulitz & Kaulitz.










Am Morgen nach dem Frückstück checke ich aus und deponiere meinen Rucksack. Dann wandere ich am eigentlichen Pausentag in Birkenstock und mit Stofftasche durch den Wald von Soglio nach Promontogno bei Bondo. Weil es so heiss ist, ziehe ich mein Shirt aus und wandere im Sport BH. Der Grund für meine kleine Wanderung am Pausentag: ich mag am nächsten Tag direkt vom Tal aus starten, also arbeite ein bisschen vor und erledige den kurzen Abstieg. Weil ich Blasen oben an den Zehen habe vom Abstieg, mache ich den Weg, den ich als leicht einschätze in Birkis. Ich sehe total schlecht ausgerüstet aus und denke noch, hoffentlich sehe ich niemanden, weil mir das schon fast peinlich ist so.
Prompt kommen zwei Frauen in gewöhnlicher Wanderausrüstung bergauf gewandert und weisen mich daraufhin, dass meine Schuhe für den Weg nicht ideal seien. Da ich mir bewusst bin, wie unvernüftig das grad aussieht, habe ich das Bedürfnis mich kurz zu erklären. Also sage ich wie es ist: Dass ich natürlich eine Wanderausrüstung besitze und ich aber jetzt grad nur nach Bondo absteigen will und schon wisse, wie fahrlässig mein Schuhwerk aussieht und auch ist. Wir kommen dadurch in ein längeres Gespräch und bleiben sicher 10 oder 15 Minuten am Wegesrand stehen. Die beiden Frauen sind schon zusammen in die Schule und heute über 70. Wie schön, wenn man nach so vielen Jahren noch zusammen in den Bergen unterwegs ist. Das wünsche ich mit auch. Ich verspreche den beiden gut aufzupassen, es habe ein paar Felsbrocken die man übersteigen muss. Ich wandere weiter, im vollen Bewusstsein, dass es jetzt auch heikel mit dem erneuten Verknicken sein könnte und telefoniere mit Mama. Der Weg ist aber wunderbar und schön, keine Schwierigkeit für mich und so komme ich im Tal an, finde es absurd heiss, halte meine Füsse in den grossen Brunnen bei der Post und esse danach einen Tomaten Mozzarella Salat im Restaurant Bregaglia. Später nehme ich den Bus zurück nach Soglio und verbringe einen entspannten Pausentagabend.




Am nächsten Tag bin ich mit Toni unterwegs. Er wird mich von Bondo bis zur Albignahütte begleiten und ist damit auch auf einem der schwierigsten Abschnitte der Via Rätia dabei. Wäre ich eine Wanderbegleitung von mir, hätte ich wohl ebenfalls einen Teil der Sentiero Alpino Bregaglia gewählt. Für mich die Etappe, auf welche ich mich seit der Planung der Via Rätia am meisten freue. Ich mag das Bergell so gerne, es ist mit dem Granit und der rauen Bergwelt für mich einmalig. Ausserdem ist diese Route oft im T5 Bereich und wurde erst kürzlich im Magazin die Alpen vorgestellt. Wir starten also in Bondo und steigen auf zur Sasc Furä Hütte. Ich schwitze wie noch nie in meinem Leben und jammere sehr viel über die Hitze. Es ist wirklich wieder übelst heiss und ich weiss ich schreibe das fast jeden Tag, aber wtf ist mit diesem Sommer los. Manchmal ist es fast nicht mehr wanderbar. Ich beisse auf die Zähne und immer wenn es so heiss ist, wird mir ein bisschen schlecht. Wir machen eine erste Pause an einem Bächli und der Weg geht als blau/weisser Weg weiter. Es hat Ketten, ist steil und abschüssig, aber nicht zu wild. Ein Abschnitt geht über ein grosses Blockfeld steil bergauf und bei einer einzelnen Tanne kurz vor dem Ende des Feldes machen wir eine Schattenpause, eigentlich im Nachhinein total dämlich, weil es so gefährlich ist, falls noch mehr Brocken die Wand runter donnern. Nachher kommt der Abschnitt bis zum nächsten grossen Bächli, wo der höchste Punkt erreicht ist auf etwa 2200 Meter. Insgesamt sind es heute ca. 1600 Höhenmeter Aufstieg. Dort esse ich ein Sandwich und wir baden mit dem Piz Badile im Hintergrund. Ein wunderschöner und imposanter Berg. Ein Berg, den ich gerne mal etwas aus der Nähe sehen würde, aber das in einem anderen Sommer. 😉 Der Schluss zur Sasc Furä geht super flowig und wir erreichen die Hütte die gerade noch im Wald steht. Sie wird von Daniela geführt und es ist eine Hütte mit einer schönen Atmosphäre. Auch spannend ist, dass die Hütte wegen den Badile internationaler ist. Es kommen viele Kletterer dafür hierher. Es gibt viel Wasser und so gönne ich mir eine Dusche. Mir fällt auf, dass es im Waschraum und in der Dusche ein Farbkonzept gibt. Es ist liebevoll dekoriert, in Violett. Macht grad Eindruck. Nach eine Lesepause vor der Hütte, alle suchen Schatten, weil es so heiss ist, gibt es sogar das Abendessen draussen. Schon verrückt. Das ist mein erster Hüttenznacht draussen, irgendwie schön und trotzdem auch nicht grad beruhigend wenn man um 19.00 Uhr abends auf knapp 2000 Meter im Jäckli zu heiss hat und dann im „Trägerlibli“ dort sitzt. Vor dem Schlafen verliere ich Tierbabies Memory gegeb Toni, er ist verdammt gut darin. Da er aber sonst immer verliert, ist das ausnahmsweise okay. 😉
Um 22.00 Uhr, als ich grad kurz vor dem Einschlafen bin höre ich von meinem Bett aus durch das offene Fenster, wie zwei Bergsteiger gerade die Hütte erreichen und nach einem Schlafplatz fragen. Apropos Fenster: es bricht noch kurz Panik aus, als eine Frau das Fenster kippt und eine andere sagt, es werde viel zu heiss, wir müssen das Fenster öffnen. Beide Fenster sollen sperrangelweit offen sein. Ich stimmt ihr zu, mit vielen Leuten im gleichen Zimmer und diesen Temperaturen, verschmachtet man sonst in der Nacht. Zum Glück setzt sie sich gut durch, das Fenster bleibt voll geöffnet. Und somit verbringe ich die erste Nacht auf einer der vier Bergeller Hütten. Eigentlich macht es null Sinn die Sasc Furä in die Via Rätia zu integrieren, es ist schon fast ein Umweg, aber ich wollte sie unbedingt kennenlernen und deshalb sind die nächsten Tage kein grosses Vorwärtswandern, sondern eher einfach ein das Bergell in vollen Zügen geniessen und erkunden.
Freue mich auf die nächsten Etappen!















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